Die Galerie Valentien wurde 1930 von Dr. Fritz Valentien in Stuttgart gegründet. Der Moderne verpflichtet stellte Fritz Valentien in den Jahren der NS-Diktatur unbeirrbar verfemte Künstler wie Oskar Schlemmer, Emil Nolde, Gabriele Münter, Adolf Hölzel, Ida Kerkovius, Otto Baum und HAP Grieshaber aus. 1944 zerstörte ein Fliegerangriff die Galerie vollständig. Nach der Wiedereröffnung 1947 galt das Ausstellungsprogramm der Nachkriegsjahre vorwiegend französischen Künstlern wie Pablo Picasso, Marc Chagall, Georges Braque und Jean Miró. 1968 übernahm der Sohn des Galeristen Dr. Freerk Valentien die Galerie.

Ab 1968: Leitung Freerk C. Valentien
Nach 1968 kamen unter der Leitung von Freerk Valentien Künstler wie Alfred Hrdlicka, Horst Antes, Fritz Genkinger, Moritz Baumgartl u.a. hinzu und werden seitdem regelmäßig ausgestellt. Im Jahr 1973 begann eine intensive Zusammenarbeit von Freerk Valentien mit Martha Dix und der Otto Dix Stiftung, woraus regelmäßige Ausstellungen und die Vermittlung wichtiger Bilder an öffentliche Institutionen resultierten.

Im Jahr 1975 wurde die Galerie im Stuttgarter Königsbau um eine Villa von Paul Bonatz (1911) auf der Stuttgarter Gänsheide, Gellertstraße 6, erweitert. Der strenge Architekturgarten des Gebäudes wurde fortan für Großskulpturen genutzt. Zur Eröffnung 1975 wurde nahezu das gesamte skulpturale Werk Alfred Hrdlickas ausgestellt. Freerk Valentien setzte sich für Skulptur im öffentlichen Raum ein, konnte wichtige Arbeiten vermitteln und so der Öffentlichkeit zugänglich machen. Über einen guten Kontakt zu Dina Vierny, dem ehemaligen Modell Aristide Maillols und der Verwalterin seines Nachlasses erhielt die Galerie die Möglichkeit 1980 vierzig Bronzen von Aristide Maillol in der Galerie Valentien zu zeigen. Die Großplastik „La Nuit" (1902-1909), eine der zehn Großplastiken, die im Skulpturengarten der Galerie Valentien ausgestellt waren, wurde von der Stadt Stuttgart erworben und in den Stuttgarter Schlossplatzanlagen aufgestellt. Eine große Rodin–Ausstellung, von ähnlicher Bedeutung, folgte 1982.

Das Wandbild „Die Familie" (1940), ein von Oskar Schlemmer im Geheimen gemaltes Antikriegsbild, wurde von der Galerie Valentien aus dem zum Abbruch bestimmten Haus „Dieter Keller" in Stuttgart Vaihingen geborgen. Restaurierung und Ausbau des Gemäldes wurden von Freerk Valentien
(1992-1995) betreut.

Ab 1998 vertrat Freerk Valentien den Künstler Piero Dorazio, dessen Werke vor seinem Tod 2005 in drei umfangreichen Ausstellungen 1998/99, 2002 und 2004 in der Galerie Valentien präsentiert wurden. 1996 wurden nach über 60 Jahren die Räume im Stuttgarter Königsbau aufgegeben. Der Galeriebetrieb konzentrierte sich in den Folgejahren auf die Räume im Bonatzbau auf der Stuttgarter Gänsheide.

Ab 2013: Leitung Imke Valentien
Neben dem bisherigen Ausstellungsprogramm entwickelt die Galeristin und Kunsthistorikerin Imke Valentien, Tochter von Freerk Valentien, die Galeriearbeit weiter. Das Programm beruft sich auf die Tradition der Galerie sowie zeitgenössische Künstler. Seit 2012 ermöglicht ein weiterer Standort in der Schönleinstraße 7 unweit von der Galerie im Bonatzbau gelegentliche Ausstellungen.

Zusatzinformation über die Zeitabschnitte 1933–1968
Fritz Valentien geriet bereits bei der ersten Ausstellung seiner 1930 bezogenen Räume im Stuttgarter Königsbau mit der Reichskulturkammer in Konflikt. Nach der Zwangsschließung einer vom Württembergischen Kunstverein eingerichteten Retrospektive für Oskar Schlemmer im Januar 1933 nahm Valentien in Absprache mit dem Künstler einen Teil der Bilder „um Widerstand zu leisten und Charakter zu zeigen" zu sich in die Galerie. Dort wurden die Bilder in einem separaten Raum gehängt und ausgewählten Kunden und Kennern moderner Kunst gezeigt. In einem Artikel der Zeitschrift „Die Weltkunst" nahm Fritz Valentien im selben Jahr öffentlich gegen die Schließung der Oskar Schlemmer Retrospektive Stellung. Die Tatsache, dass im Zeitraum zwischen 1933 und 1934 vier Bilder von Oskar Schlemmer aus der Bauhauszeit verkauft werden konnten, bezeichnete Fritz Valentien im Nachhinein als Sensation da bereits zu diesem Zeitpunkt in der breiten Öffentlichkeit „alle modernen Bestrebungen...erloschen" waren.

Zu den Folgeausstellungen der Galerie Valentien, die alle von der NS-Presse scharf angegriffen wurden, zählten eine ursprünglich ebenfalls vom Baden-Württembergischen Kunstverein geplante Ausstellung zum 80. Geburtstag von Adolf Hölzel, die im kleineren Rahmen in der Galerie Valentien stattfand, Ausstellungen der Künstler Ida Kerkovius (1933 und 1936), Otto Baum sowie Walter Wörn mit Darstellungen expressiver, figurinenhafter Sportler im Jahr 1936. Das Archiv des Künstlers überliefert eine Liste der Vernissagegäste, unter denen sich die Künstler Willi Baumeister, Max Ackermann, Rudolf Schlichter, Otto Baum, Oskar Zügel u.a. befanden sowie die Sammler Max Fischer, Hugo Borst, Manfred Breuninger, Anulf Klett und viele andere, die der Moderne nahestanden.

1937 schloss der Gauleiter von Bayern eine Ausstellung der Künstlerin Gabriele Münter noch vor der Eröffnung. Im selben Jahr wurden Bilder der Künstlerin ungeachtet dieses Ereignisses in der Galerie Valentien ausgestellt. Unter dem Tarntitel „Arabische Volksbücher, griechische Volksmalerei" eröffnete Valentien 1938 die erste Einzelausstellung von HAP Grieshaber in seiner Galerie. Bei seinen Aufenthalten in Ägypten und Griechenland hatte sich HAP Grieshaber nicht nur künstlerisch betätigt, sondern auch gegen die Nationalsozialisten agitiert. Daraufhin war er nicht nur mit Ausstellungsverbot sondern auch mit Arbeitsverbot belegt worden.

Die Galeriearbeit erschwerte sich im Fortgang der NS-Diktatur zunehmend, dennoch wurden Arbeiten von Paul Klee, Emil Nolde, Karl Hofer, August Macke und Egon Schiele gehandelt, allerdings „unter dem Ladentisch", wo die Werke ohne Passepartout und Rahmen in Pappkästen gelagert und nur ausgewählten Besuchern gezeigt wurden, wie sich die damalige Mitarbeiterin Elisabeth Glaser erinnerte.

Hugo Borst, der große Mäzen und Hoffnungsträger, der als „entartet" eingestuften Künstler, hat aus diesen Pappkästen unter anderem verschiedene Blätter von Paul Klee erworben, die sich heute in der Graphischen Sammlung der Stuttgarter Staatsgalerie befinden. Aufgrund seiner Vertretung verfemter Künstler wurde Fritz Valentien mehrmals in die Gestapo-Zentrale im Hotel Silber in Stuttgart zum Verhör geladen. Trotz der drohenden Gefahr, die sich im Laufe der Jahre verschärfte, setzte er seine Arbeit weiter fort und erklärte diese Entscheidung später als Konsequenz seiner Kunstauffassung. „Wenn man für die Kunst mit Überzeugung, mit Neigung und mit einer inneren Notwendigkeit eintritt, dann kann man gar nicht anders handeln."

Nachkriegsjahre: 1945–1968
Der Wiederanfang der Galeriearbeit nach Kriegsende war gekennzeichnet von den mühsamen Aufbaujahren. Kurz nach der Währungsreform 1948 konnte ein von der Galerie finanzierter Barackenbau in der ausgebrannten Ruine des Stuttgarter Königsbau installiert werden. Geheizt wurde mit Kohleöfen und als Lagerräume diente ein Kellersystem aus der Zeit um 1850. Als weiterer Lagerraum wurde der große, begehbare Tresor des ehemaligen Kupferstichkabinetts angemietet, der sich in der Ruine des benachbarten Kronprinzenpalais erhalten hatte (heute Stuttgarter Kunstmuseum). Erst im Jahr 1959 konnten die vom Land Baden-Württemberg wiederaufgebauten Räume im Königsbau bezogen werden.

Einer der Unterstützer der allerersten Aufbaujahre war Heinz Berggruen, der zu dieser Zeit bei der amerikanischen Armee als Kunstoffizier diente und Care Pakete gegen Blätter von Paul Klee tauschte. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Geschäftsbeziehung, die Bestand hatte bis Hans Berggruen seine Pariser Galerie in der Rue de l´Université in andere Hände gab. Das Ausstellungsprogramm der Nachkriegsjahre setzte sich vor allem aus französischen Künstlern wie Pablo Picasso, Marc Chagall, Georges Braque, Georges Rouault, Jean Miró und Maurice de Vlaminck zusammen. Daneben wurden HAP Grieshaber, Willi Baumeister, Max Ackermann, Ida Kerkovius, Eduard Bargheer u.a. in regelmäßigem Wechsel gezeigt.

Galeriestandorte

 

 

 

 

 

 

 

Galerie Valentien
Gellertstraße 6, 70184 Stuttgart

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Valentien Kunsthandel und Galerie
Schönleinstraße 7, 70184 Stuttgart

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Gellertstraße 6 Innenansicht Schönleinstraße 7 Innenansicht

Galerie Valentien
Gellertstraße 6, 70184 Stuttgart

Valentien Kunsthandel und Galerie
Schönleinstraße 7, 70184 Stuttgart

Galerieteam

 galeriemitarbeiter_ania_corcilius Christine Seger Christoph Valentien  

Ania Corcilius

Christine Seger

 Christoph Valentien

 

Die jahrzehntelange Galeriearbeit von Dr. Freerk Valentien wurde anlässlich seines 80. Geburtstages in der Galerie Valentien gebührend gefeiert.

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1. Empfang zum 80. Geburtstag von
Dr. Freerk Valentien