Neue Bilder von Heidi Foerster“... bei dieser Ankündigung erwartet man eigentlich Blumen- und Pflanzenbilder in den verschwenderischen Farben ihres südfranzösischen Bauerngartens, von dem die Künstlerin sich immer wieder neu inspirieren läßt. Aber nicht die südliche Vegetation, sondern die bedrohten Bäume des Stuttgarter Schloßgartens sind es, denen Heidi Foerster sich in ihren neuen Bildern zuwendet.
Wie die Parkschützer fühlt sich die Künstlerin verantwortlich für diese jahrhundertealten Gewächse. Sie schildert in ihren Bildern wie die Schloßgarten-Bäume geschmückt werden, wie sie mit Schutzgebeten versehen werden und wie die Menschen ihre Verbundenheit mit diesen Lebewesen kundtun.
Dies alles klingt auf den ersten Blick vielleicht weltfremd, bekommt aber einen tieferen Sinn, wenn man sich klarmacht, daß es bei vielen Kulturvölkern Baumkulte gegeben hat. Man denke nur an die heiligen Haine der Germanen oder den mythischen Weltenbaum „Yggdrasill“, von dem die Edda berichtet.
Was sich da im Schloßgarten abspielt, ist möglicherweise gespeist aus unterbewußter Rückerinnerung an solche germanische Baum-Mythen. Dies mag eine Erklärung sein für die Ausdauer und die Hartnäckigkeit mit der unsere Mitbürger sich schützend vor die Bäume stellen.
Für Heidi Foerster ist die unmittelbare Verbindung mit den Gewächsen der Natur ein Kernpunkt ihres Schaffens: „Auf einmal schaut mich die Blume an, sie führt mich dann, sie ist ganz oben und ich bin unten; es geht durch einen durch – das bin nicht ich“. So beschreibt die Künstlerin die intuitive Wahrnehmung der Pflanzen, Blumen und Bäume – „alles ungepflückte Pflanzen, die mich regelrecht auffordern, in Malerei verwandelt zu werden“.
Zusammen mit den Baumbildern sind die in der Ausstellung gezeigten repräsentativen Blumenbilder schöne Belege für den intuitiven Schaffensprozess der Künstlerin.
Es sind jüngst auch Bilder vom Stuttgarter Bahnhof entstanden. Mit ihnen positioniert sich Heidi Foerster gegen die geplante Verstümmelung des Architekturdenkmals „Bonatzbau“. Der grausame Baggerbiß (Abb. Titelbild), der den Nordflügel in wenigen Tagen in Trümmer legte (obwohl sorgfältiger Rückbau Stein um Stein angekündigt war), hat die Malerin tief berührt.
Mit dem Bild „Kleine Schalterhalle“ (keine Abb.) wird der noch am reinsten erhaltene Innenraum des Bonatzbaus dargestellt. Das Bild läßt die wunderbaren Proportionen dieses Raums erahnen, der mit seinen jeweils 3 großen Obergadenfenstern, den drei Portalen und dem dekorativen Wandaufbau aus Haustein mit Ziegeldurchschuss fast eine sakrale Wirkung entfaltet. Hier bekommt man einen Eindruck, wie sich ein sorgfältig restaurierter Bahnhof präsentieren könnte.
Freerk Valentien März 2011
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